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Dr. med. Martin Pletscher, Hauptstrasse 85, 4102 Binningen, Tel: 061- 426 98 26, FAX: 061- 426 98 25
Cortison Einführung Es gibt wohl keine pharmakologisch aktive Substanz, die in der Bevölkerung so viele negative Emotionen weckt wie das Cortison. Viele Patienten konfrontieren Ärzte und Apotheker mit zum Teil abstrusen Nebenwirkungen, die sie oft nur aus dritter oder vierter Quelle kennen. Auch haben etliche "Gesundheitsspezialisten" dieser Substanz gegenüber Vorurteile. Dazu gehören zum Teil auch Apotheker und Ärzte. Dies macht es besonders schwierig, Patienten zu motivieren, sich mit einem Medikament, für das es in viele Fällen keine adäquate Alternative gibt, behandeln zu lassen. Dieses Merkblatt soll Ihnen einige Informationen über Cortison geben. Sie repräsentieren den schulmedizinischen, universitären und aktuellen Wissensstand. Was ist Cortison? Mit Cortison wird ein Hormon aus der Gruppe der Glucocorticoide bezeichnet. Es wird in der Nebennierenrinde gebildet. Streng genommen ist Cortison, das im Blut nicht nachgewiesen werden kann, die Vorstufe von Cortisol oder Hydrocortison. Durch chemische Veränderungen am Molekül von Hydrocortison entstehen synthetische Corticoide, die in ihrer pharmakologischen Wirkung viel potenter sind als das natürliche Hydrocortison. Glucocorticoide regulieren den Kohlehydrat- Fett- und Eiweißstoffwechsel, Funktionen wichtiger Organsysteme wie die Lunge, die Niere, das Herz-Kreislauf- und Nervensystem. Sie sind ferner mitverantwortlich für den Wasser- und Elektrolythaushalt. Ohne Cortison wären wir nicht lebensfähig. Cortisol wurde zuerst zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Die Erfolge waren so spektakulär, dass diese Arbeiten mit dem Nobelpreis belohnt wurden. Bei zahlreichen Erkrankungen sind Corticoide lebenserhaltend oder verhindern eine Verschlimmerung der Erkrankung. Sie haben zum Beispiel bei rheumatischen und Autoimmunerkrankungen, Allergien sowie Lungenerkrankungen einen festen Platz im Behandlungsplan. Lokal ist Cortison unwirksam. Erst in den Fünfzigerjahren konnten durch Modifikationen des Moleküls dramatische Veränderungen in der lokalen Wirkung erzielt werden. Heute gibt es unterschiedlich starke Lokalcorticoide, die in verschiedene Stärkeklassen zusammengefasst werden. Potente Steroide haben im Allgemeinen auch mehr Nebenwirkungen als schwache. Durch weitere Modifikationen der Steroidmoleküle konnten die ungewünschten Effekte weiter reduziert werden, so dass eine neue Generation von Lokalsteroiden entstand. Diese 4. Generation zeichnet sich durch eine gute Wirkung bei geringeren Nebenwirkungen aus. Je nach Erkrankung werde stärkere oder schwächere Cortisonpräparate verwendet. Welche Wirkungen hat Cortison auf die Haut? Corticoide lokal angewendet, haben prinzipiell die gleichen Effekte, wie wenn sie oral oder als Spritze appliziert werden. Unterschiedlich ist lediglich, dass beim Auftragen auf die Haut die maximale Wirkstoffkonzentration in den oberen Hautschichten erreicht wird, also dort wo sich viele Hauterkrankungen "abspielen". Damit gelangen, wenn überhaupt, nur minime Mengen ins Blut. Somit können systemische Nebenwirkungen minimalisiert und oft vernachlässigt werden. In der Dermatologie werden Steroidsalben vor allem zur Hemmung von Entzündungen und der übermässigen Zellteilung eingesetzt wie zum Beispiel bei Ekzemen, Psoriasis und vielen anderen Hautkrankungen. Welche Nebenwirkungen hat Cortison? 1. Cortison systemisch angewendet (als Tablette oder Spritze) Die normale Cortisolproduktion der Nebennierenrinde ist durchschnittlich 20 mg pro Tag (dies entspricht 5mg Prednisonäquivalent). Prednisongaben von 30-40 mg täglich für zwei Wochen können abrupt beendet werden, obwohl die Nebennieren-Hypophysen-Achse supprimiert wird. Werden Patienten länger behandelt, sollte die Cortisondosis vor dem endgültigen Absetzen langsam reduziert werden (ausschleichende Dosierung). Bei chronischer Anwendung von Steroiden kann es zu einer Reihe von Problemen kommen. Nebst der Unterdrückung der körpereigenen Cortisonproduktion wird Fettgewebe im Gesicht (Vollmondgesicht) und Körper abgelagert. Einige weitere ungewünschte Wirkungen sind Verdünnung der Haut, Osteoporose, Muskelschwäche, tiefer Blutdruck, erhöhter Blutzucker, Zunahme der Haare an bestimmten Stellen, gewisse Augenveränderungen. Diese Effekte entstehen aber nur bei hohen Dosen und wenn diese über lange Zeit angewendet werden. Je nach Schwere der Erkrankung muss also abgeschätzt werden, ob Nebenwirkungen im Vergleich zur therapeutischen Wirkung in Kauf genommen werden dürfen. 2. Cortison lokal angewendet (Salben, Lotionen etc.) Corticoide lokal angewendet können durch die Haut resorbiert werden und somit zu systemischen Wirkungen und Nebenwirkungen führen. Diese sind abhängig von der Stärke des Produktes, der Grösse der Hautoberfläche auf das es appliziert wird, der Beschaffenheit der Haut und der Körperstelle. Die aufgenommen Mengen sind aber bedeutend geringer als bei systemischer Gabe. Bei den lokalen Nebenwirkungen ist die Verdünnung der Haut zu beachten. Sie ist aber auch wiederum von der Stärke der Präparates abhängig. Diese Gefahr ist minim bis vernachlässigbar, wenn die Salbe auf eine verdickte Haut aufgetragen wird, wie dies bei Ekzemen oder der Psoriasis der Fall ist. Bei einer Normalisierung der Haut wird das Präparat so wie so wieder abgesetzt. Weitere Nebenwirkungen sind Bildung von Dehnungsstreifen, erweiterte Blutgefässchen und akneartige Ausschläge. Dies ist vor allem der Fall, wenn Cortison längere Zeit mit unveränderter Haut in Kontakt kommt. Die Cortisonsalben der 4. Generation haben weniger Nebenwirkungen und können auch bei Bedarf über längere Perioden angewendet werden. Macht Cortison abhängig? Da Corticosteroide „nur“ die Symptome einer Krankheit beeinflussen  ist die Dosis und die Dauer der Therapie von der Aktivität der Grunderkrankung abhängig. Dies gilt übrigens auch für die meisten anderen Medikamente. Werden Corticosteroide, über eine längere Zeit angewendet verlieren sie manchmal an Wirkung (Tachyphylaxie). Dieser Effekt ist aber nach Absetzen wieder reversibel. Werden lokale Corticosteroide "nach den Regeln der Kunst" angewendet, ist das Nebenwirkungsrisiko limitiert. Neuerdings gibt es valable Alternativen. Diese cortisonlosen Salben sind in der Schweiz aber nur für die Neurodermitis zugelassen (siehe Kapitel Neurodermitis). Andere Alternativen, sie sind häufig weniger wirkungsvoll.
Cortison