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Dr. med. Martin Pletscher, Hauptstrasse 85, 4102 Binningen, Tel: 061- 426 98 26, FAX: 061- 426 98 25
Histaminintoleranz, Unverträglichkeit auf Histamin Was ist Histamin? Histamin ist eine körpereigene Substanz, welche die Symptome einer allergischen Reaktion bewirkt. Sie wird im Körper aus den Mastzellen freigesetzt. Histamin kommt auch in manchen Nahrungsmitteln vor. Im Darm kann Histamin beim bakteriellen Abbau der Aminosäure L-Histidin entstehen. Was sind biogene Amine? Natürliche Stoffwechselprodukte in menschlichen, pflanzlichen und tierischen Zellen Sie wirken als Aroma- und Geschmacksstoffe und sind auch Verderbnisindikatoren. Durch mikrobiell bedingte Verderbnis von Lebensmitteln (Fleisch, Fisch und Wurst) und mikrobiell hergestellte Lebensmittel (Käse, Wein, Sauerkraut, Charcuterie etc.) können hohe Konzentrationen entstehen. Auch Histamin ist ein biogenes Amin. Diaminooxidase Im Darm ist das Enzym Diaminoxidase für den Abbau von biogenen Aminen (inklusive Histamin) verantwortlich. Wie entsteht eine Histamin-Unverträglichkeit? Besteht ein Mangel des Enzyms Diaminooxiase (DAO), welches biogene Amine (inkl. Histamin) abbaut, so entstehen Symptome einer sogenannten "Histaminose". Durch eine Ernährung reich an biogenen Aminen (inkl. Histamin) Eine mangelnde Synthese von Diaminooxidase im Körper, insbesondere in der Darmschleimhaut, beispielsweise bedingt durch Entzündungen des Darmes oder durch Vitamin B6-Mange Es wird vermutet, dass 1% der Bevölkerung (vor allem Frauen) an einer Histaminintoleranz betroffen sind. Symptome Betroffene Patienten leiden beispielsweise unter Hautreizungen, Urticaria (Nesselausschlag) Kopfschmerzen, Migräne, einer laufenden Nase, Nasenschleimhautschwellungen, Atembeschwerden, Asthma bronchiale, Flatulenz, niedrigem Blutdruck, einer Tachykardie (rascher Puls, Herzklopfen), Durchfällen oder Kreislaufbeschwerden bis hin zum Schock. Besonders typisch ist ein Anschwellen der Nasenschleimhäute (mit Atemnot) nach Genuss von Wein oder Käse. Histaminreiche Nahrungsmittel Fleisch zu meiden: alle Wurstwaren wie z.B. Bratwurst, Cervelat, Mettwurst, Le Parfait, Aufschnitt auch alle rohen, geräucherten und gepökelten Wurstwaren wie Salami, Bündnerfleisch, Mostbröckli, Rohschinken, Schinken, Räucherschinken, Landjäger etc. verdorbenes Fleisch Wählen Sie frisches oder tiefgekühltes Fleisch und Geflügel wie Plätzli, Kotelette, Geschnetzeltes, Gehacktes, Filet etc. Fisch zu meiden: Thunfisch, Makrele, Sardinen, Sardellen, Krustentiere, Hering besonders ais Konserve und ais marinierte, gesalzene oder getrocknete Fische Fischsaucen verdorbener Fisch  Wählen Sie frische oder tiefgekühlte Fische wie z.B. Dorsch, Forellen, etc Käse zu meiden: alle Hart- Weich- und Schmelzkäse Wählen Sie Frischkäse wie z.B. Hüttenkäse, Quark und andere Milchprodukte wie Milch, Joghurt und Rahm. Gemüse zu meiden: Sauerkraut, Spinat, Tomaten, Aubergine, Avocado, Pilze von der Industrie gerüstete Salale Wählen Sie alle anderen Gemüse, frisch oder tiefgekühlt. Ausserdem zu meiden: Rotwein, Weisswein, Bier, Hefeextrakte, Sojasauce Histamingehalt ausgewählter Nahrungsmittel Wegen der starken Schwankungen der Histamingehalte in Lebensmitteln sind die angeführten Werte lediglich Richtwerte, die stellvertretend für bestimmte Nahrungsmittelgruppen stehen. Histamin ist hitzestabil und kann weder durch Kochen, Braten, Backen oder Mikrowellen und auch nicht durch Tiefkühlen zerstört werden. Es durchaus möglich, dass einzelne die oben aufgeführten ungeeigneten Nahrungsmitteln in kleinen Mengen vertragen werden, wenn die individuelle Toleranzschwelle nicht überschritten wird. Nicht vergessen: Der gleichzeitige Konsum von alkoholischen Getränken begünstigen das Auftreten von Symptomen.   von - bis (max.) von - bis (max) Histamin (mg/kg) Histamin (mg/kg) Käse     Fisch Emmentaler <10 - 500 (2500) Fischfangfrisch 0 Bergkäse <10 - 1200 Frischfisch ( z.B. Thun) 0 – 15 (300) verdorben               bis 13000 Parmesan <10 - 580 Tiefkühlware            0 - 5 (>50) Gouda, Edamer <10 – 200 (900) Konserven Tilsiter <10 - 60     Camenbert, Brie <10 – 300 (600) Gemüse   Frischkäse  0 Tomaten                                                                                       (Ketchup)             22     Spinat             30 - 60 Alkoholische Getränke   Avocado             23 Weine bis über 10 Auberginen             26 Sekt / Champagner bis 5 Sauerkraut             10 - 200         Fleisch/Wurst   Essig   Salami <10 - 280 Rotweinessig              4 Cervelatwurst <10 - 100     Frischfleisch <1     Bemerkung: Schlumberger Sekt enthält Histamin nur in Spuren. Histaminliberatoren und andere biogene Amine Zahlreiche Nahrungsmittel enthalten andere, dem Histamin ähnliche Stoffe (so genannte biogene Amine), die entweder direkt oder über die Behinderung des Histaminabbaus Beschwerden auslösen können. Andere Nahrungsmittel können direkt im Körper unspezifisch Histamin freisetzen. Dies sind Histaminliberatoren. Auch Medikamenten können Histaminliberatoren sein: z.B.: Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Diclofenac (Voltaren), Naproxen, etc. Über Histaminliberatoren weiss man in der Wissenschaft noch eher wenig. Nahrungsmittel, welche Histaminliberatoren enthalten zu meiden: Schokolade / Kakao Erdbeeren Zitrusfrüchte Schalen- und Krustentiere Nüsse (vor allem ranzige) Medikamente, die eine hemmende Wirkung auf DAO Aktivität haben Acetylcystein, Clavulansäure, Metoclopramid, Ambroxol, Isoniazid, Propafenon, Amitryptilin, Metamizol, Verapamil, Chloroquin Wie wird die Diagnose gestellt? Unverträglichkeit mit obigen Symptomen entstehen bei Genuss von Nahrungsmitteln, die reich an biogenen Aminen (inkl. Histamin) sind. Beim Durch Meiden dieser Nahrungsmitteln sollten die Beschwerden wieder verschwinden. Andere Ursachen (wie zum Beispiel echte Allergien, Laktoseintoleranz, Zöliakie, etc.) sollten ausgeschlossen sein. Diagnostische Teste wie die Bestimmung der Diaminoxidase im Serum, Provokationsteste mit Histamin, Histamin-Realese- Test , etc sind unzuverlässig, da sie nicht standardisiert und validiert sind und die genaue klinische Bedeutung unklar ist.  Therapie Histaminempfindliche Personen sollten den Verzehr von histaminreichen Nahrungsmitteln meiden. Denken Sie daran: Auch Alkohol kann zusätzlich das Enzym hemmen. Der Konsum von alkoholischen Getränken begünstigt somit das Auftreten von Symptomen. Antihistaminica und Mastzellstabilisatoren wirken manchmal. Man muss sie aber rel. hoch dosieren. Andere Therapieansätze, betreffen die Zufuhr von Vitamin B6, Vitamin C und das deutsche Nahrungsergänzungsmittel Daosin, welches das Enzym Diaminooxidase enthält. Allerdings ist der Wert dieser Massnahmen umstritten, da grössere klinische Studien zurzeit noch fehlen. Quellen Erarbeitet von der Ernährungsberatung USZ/NIC/HEU/ 14. Oktober 1999. PD Dr. R. Jansch, Wien und Herr Dr. St. Bodmer, Biodyn GmbH, Schweiz Prof. Dr. B. Wüthrich, Leitender Arzt der Allergiestation,  Dermatologische Klinik USZ Jarisch R et al., „Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit“, 2004, Georg Thieme Verlag Stuttgart-New York Weitere Informationsquelle hier
Histaminintoleranz