Home Dermatologie Allergologie Kosmetik Internet Dr. Pletscher
Dr. med. Martin Pletscher, Hauptstrasse 85, 4102 Binningen, Tel: 061- 426 98 26, FAX: 061- 426 98 25
Hymenopterengiftallergien (Bienen-, Wespengiftallergie) Bienen Albert Einstein soll gesagt haben: „Verschwindet die Biene von der Erde, hat der Mensch noch 4 Jahre zu leben; denn keine Bienen, keine Bestäubung, keine Pflanzen, keine Tiere und keine Menschen mehr …“ Die Bienen etwickelten sich über geologische Zeiträume (>100 Mio Jahre) gleichzeitig mit den Blütenpflanzen. Es gibt eine enorme Artenvielfalt. Bekannt sind weltweit etwa 20‘000 Bienenarten, davon 700 in Europa und 500 in Deutschland. Die Bienen werden unterteilt in Familien, z.B. Echte Bienen (Apidae). In diese Familie gehören auch die Honigbienen (Apis) und die Hummeln (Bombus), . Bienen benötigen zum Überleben Nektar und Pollen und befruchten die Pflanzen beim Blütenbesuch. Das Bienenjahr beginnt etwa im März und klingt Mitte Juni allmählich ab, kann je nach Herbst bis in den November dauern. Die Bienen leisten gezielte Bestäubungsdienste. Sie bleiben einer bestimmten Pflanzensorte treu (nicht wie andere Insekten wie Käfer, Fliegen, etc.). Der Waldhonig entsteht durch die Verwandlung von Exkrementen der Blattläuse. Auf einer Linde mit 24‘000 Blättern hat es ca. 7 Kilo „Honigtau“. Bienen reagieren sehr empfindlich auf Umweltgifte. Also: vernünftiger Einsatz von chem. Mitteln im Obstanbau, blumenreiche Unkräuter nicht jäten (Klee und Luzernen haben viel Nektar) Das Leben der Bienen Die zuerst schlüpfende Königin tötet alle anderen Königinnenlarven, denn eine Bienenkönigin kann ihre Herrschaft mit keiner anderen teilen. Schlüpfen zwei Königinnen gleichzeitig, bekämpfen sie sich gnadenlos, bis eine siegt und die Herrschaft übernimmt. Drei bis sechs Tage nach dem Schlüpfen geht die junge Königin auf ihren einzigen Hochzeitsflug, auf dem sie sich fünf- bis sechsmal mit einem Dutzend Drohnen vereinigt. Die Begattung wiederholt sich, bis der Samensack der Königin voll ist. Danach beginnt ihr Leben als Eierlegerin. Während ihres vier- bis fünfjährigen Lebens verlässt sie nie wieder den Stock und hat nur eine Aufgabe: ohne Unterlass Eier zu legen und zwar bis zu 2000 pro Tag (das ist 1 Ei pro Minute). Dafür wird sie von den Arbeiterinnen gehegt und gepflegt. Bei den Arbeitsbienen handelt es sich ausschließlich um weibliche Bienen. Sie sind am zahlreichsten im Volk vertreten (rund 30 000 bis 70 000 pro Bienenstock). Innerhalb des Stocks übernehmen sie alle Aufgaben, die zum reibungslosen Ablauf des Lebens im Stock notwendig sind. Im Gegensatz zu den Ameisen, die ihr ganzes Leben lang nur eine einzige Aufgabe ausführen, füllen Bienen im Laufe ihres kurzen Lebens (rund 45 Tage) verschiedene Funktionen aus.  Drohnen sind die einzigen Männchen des Volks. Es sind nur einige Hundert an der Zahl, auch sind sie größer, plumper und haariger als die Arbeitsbienen. Sie werden im Stock als mögliche Befruchter der Königin geduldet und leben dort im Frühjahr und im Sommer. Da sie sich nicht allein ernähren können, werden sie von den Arbeiterinnen versorgt. Auch besitzen sie keinen Stechapparat und können nicht für die Verteidigung des Bienenvolks sorgen. Sie nehmen an einigen Arbeiten im Bienenstock teil, doch besteht ihre Hauptaufgabe darin, die Königin zu besamen. Nur wenigen gelingt dies während des einzigen und für den Drohn tödlich verlaufenden Hochzeitsflugs, denn durch das Ausstülpen des Samenschlauchs stirbt die Drohne. Bienen sind sehr produktiv Eine Biene bringt von einem Flug 50 mg Pollen zurück. Auf Kleeblüten braucht es 1’500 Besuche bis sich die Honigblase (Stecknadelkopf) gefüllt hat. Für einen Liter Honig braucht es 6-7 Liter Nektar, was 130‘000 Flügen und einem zurückgelegten Weg von von 60‘000 km (1,5x Äquator) entspricht. Besuch von10 Mio. Blüten Zeitdauer 10’000 Std. Lebensarbeit von  6‘000 Bienen Bienenstachel Arbeiterinnen und Königin haben ihn hat Widerhacken, an ihm hängt die Giftdrüse Giftmenge pro Biene: 0.3mg er dient nur zur Selbstverteidigung Das Opfer wird markiert. Nach Stich stirbt die Biene. Wespen Es gibt staatenbildende Wespen oder Faltenwespen. Davon existieren ca. ein Dutzend Arten, die in der Regel scheu sind. Auch die Hornisse ist scheu und bleibt in der Regel auf Distanz. Vertreter der Wespen sind z.B. Gemeine Wespe (Vespula vulgaris), die Hornisse (Vespa crabro), die gallische Wespe (Polistes), etc. Eigentlich gibt es nur 2 Arten, die den schlechten Ruf rechtfertigen: Die deutsche und die gemeine Wespe. Sie fürchten sich vor menschlicher Nahrung nicht und kommen bis auf den Tellerrand. Das Leben der Wespen Im Frühjahr beginnt die überwinternde Faltenwespenköniging mit dem Aufbau des neuen Volkes. Sie befruchtet ein Ei mit Spermien aus ihrem Samenvorrat. Nahrung der Wespenlarven: Eiweiss aus Fliegen, Mücken, Bremsen. Ein Wespenvolk verbraucht 5 kg dieser Insekten. Wepen sind Teil des Nahrungskreislaufes. Sie sind Beute und Jäger. Weder Nützlinge noch Schädlinge. Im Verlauf des Sommers wächst das Volk auf einige Tausend. Mit den Herbstfrösten bricht die Nahrung ein und das ganze Volk verhungert. Einzig die begatteten Jungköniginnen überwintern ausserhalb des Nestes in einem Unterschlupf. Das alte Nest wird nie mehr besiedelt. Wepennest im Esterich: Warten bis Ende Sommer/Herbst, dann wenn das Volk gestorben ist, gefahrloses Entfernen. Wirkungen bei Stichen Toxische und pharmokolgische Wirkungen sie sind dosisabhängig Biene:  Wichtigste Wirkung von Mellitin und Phospholipase A2: direkte und indirekte Zellschädiung und Interferenz mit Enzymen juckende und lokale Schwellung (biogene Amine, Mellitin und Histaminliberation) viele Stiche: Hämolyse (Zersetzung des Blutes), Niereninsuffizienz (Nierenversagen) Wespe: Lokale Schwellung o biogene Amine und niedermol. Peptide System. Toxizität bei multiplen Stichen o Kinine: Vasodilation, Gefässpermeabiltät, Histaminfreisetzung, Bronchokonstriktion o Phospholipase A2: direkte und indirekte Zellschädiung un Interferenz mit Enzymen o niedermol. Peptide: Direkte Hämolyse Symptome bei einer Allergie auf Bienen- und Wespengift Schwere Lokalreaktion o Schwellung an Stichstelle >10cm, Dauer > 24h Allgemeinreaktionen (AR) nach H.L. Mueller o Grad I   : Generalisierte Urticaria, Pruritus, Übelkeit, Angst o Grad II  : zusätzlich: Angioödem (allein auch Grad II), Engegefühl, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Schwindel o Grad III : zusätzlich: Giemen, Stridor (allein schon Grad III), Dysphagie, Dysarthrie, Heiserkeit, Schwäche, Benommenheit, Todesangst o Grad IV : zusätzlich: Blutdruckabfall, Kollaps, Bewusstlosigkeit, Inkontinenz, Zyanose Epidemiologische Aspekte Die Hymenoptenstichallergie ist häufig, die Mortaliät und Letaliät jedoch sehr gering Risiko bei Reexposition eine AR zu entwickeln o bei anamnestischer Allgemeinreaktion: 30% o ohne Anamnese: 1% Wesentlich bessere Prognose bei schwerer Lokalreaktion und leichten AR als bei schweren AR mit Beteiligung der Atemwege Kinder und Jugendliche weniger gefährdet als Erwachsene und ältere Patienten Atopiker neigen zu schwereren AR Der neg. Ausfall einer Reaktion nach Reexpos. nach  2-3 Wochen schliesst eine relevante Sensibilisierung nicht aus. Reexpositionsdaten nach Wespenstichen sind punkto Allergielage weniger aussagekräftig als nach Bienenstichen Das Risiko einer erneuten Stichreaktion hängt ab vom: o Schweregrad der initialen Reaktion o Alter (Kinder weniger gefährdet) Nach einer Anaphylaxie ist das Risiko einer ähnlichen Reaktion ca. 60%. Allergietest (HA, Serologie) sind nicht praedictiv Therapie beim Nichtallergiker sorgfältige Entfernung des Stachels keine grosse Infektionsgefahr (im Gegensatz von blutsaugenden Insekten), lokale Nekrosen durch Kratzen lokale Antihistaminica wirken wenig (Sensibilisierungsgefahr) lokale kühlende Massnahmen (Eis, Coldpack) Stiche im Bereich der Mundhöhle: Gefahr eines Larynxödemes: iv. Corticoide, iv. Antihistmine, ev. Adrenalin ärztliche Behandlung! beim Nichtallergiker bei vielen Stichen Gefahr bedrohlicher Reaktionen: Kinder bei 50 Stichen, Erwachsene bei 100-500 Stichen Hospitalisation! Gefahr von Nierenversagen infolge Hämolyse und Rhabomyolyse: ev. Hämodialyse Schockgefahr infolge Flüssigkeitsverschiebung in Haut und Subkutis Corticosteroide (z. B. Prednisolon 4x100mg/d), Antihistaminica iv., Antibiotica bei schweren Lokalreaktionen Können ausgedehnt sein (ganze Extremität) Lymphangitis und Lymphadenopathie nicht Ausdruck eines Infektes sondern einer allergischen Entzündung Frühphase: Antihistaminica lokale Kühlung, topische Corticoide Spätphase: ev. orale Corticoide (z.B. Prednison 50mg/d während 3-5 Tagen) Ruhigstellung und Schmerzlinderung allergische Allgemeinreaktionen Adrenalin o i.m. 0.3-0.5mg (Kinder 0.1mg/10kg): kardiale NW nicht zu erwarten, Tremor, Kopfschmerzen, Unruhe wenig beängstigend i.v.-Zugang, Volumensubstitution Antihistaminica (1Amp. Tavegyl oder Fenistil) o Wirkungseintritt i.v.: unverzüglich, oral: 15-30 Min. o andere potente Mediatoren als Histamin nicht gehemmt Corticoide (i.v. Methylprednisolon 125mg = Solu-Medrol) Wirkungseintritt nach parenteraler Gabe: >1 Std. O2, Volumensubstitution, allgem. Schockmassnahmen Hospitalisation bei schwächeren AR (Grad I und II): 1.Medikament Antihist. i.v. Allergieabklärung bei Allergologen Notfallmedikamente Allgemeinreaktion und schweren Lokalreaktionen o Antihistaminica (z.B. 2 Tabl. Zyrtec) o Corticoide (z.B: 2 Tabl à 50 mg Prednison oder Prednisolon) o ev. Lokale Corticoidsalbe kardiovaskuläre und/oder respiratorische Symptome zusätzlich o Adrenalin-Fertigspritze: Epipen (0.5mg/0.3mg) o wichtig ist eine vorgängige gute Instruktion keine -Blocker und keine ACE-Hemmer Immuntherapie (Desensibilisierung) Wirksamkeit o Vollständiger Schutz: 95% Wespe, 80% Biene o Der Rest hat abgeschwächten Reaktionen. aufwändig, teuer, nicht ohne Nebenwirkungen Todesfallrisiko klein, auch bei vorausgegangenen schweren AR Indikation zur Immuntherapie schwere AR (Grad III-IV) und pos. Teste (ev. auch bei neg. RAST) Kinder: zurückhaltend (geringeres Risiko, Psyche) Ältere Patienen: liberaler (höheres Risiko: z.B. Herzinfarkt, Apoplexie) Schwangerschaft: Nur Erhaltungstherapie keine -Blocker, ACE-Hemmer Vorsichtsmassnahmen bei Immuntherapie Verträglichkeit der letzten Injektion erfragen interkurrente Erkrankungen Aktivimpfung: 1 Woche warten neue Medikamente? Asthmatiker: warten, wenn peak flow <70% ausserordentliche Stresssituationen 30 Min. in Praxis überwachen am Injektionstag keine körperl. Anstrengungen und Sauna Vermeiden von Hymenopterenstichen Facts und Mythen Kleide dich nicht und rieche nicht wie eine Blume ….“ komplexe Reize geleitet: Formen, Muster, Farben, Gerüche, Verhalten der Späher Bienen reagieren v.a. auf niedrige Wellenlängen (UV, blau, violett, grün), keine Perception von rot Attraktion durch Gerüche (Blütennektar, fermentierte Früchte, süsse Getränke aber: keine Daten, dass Parfums anziehen (Ausnahme: Vespa mandarinia „Bienen und Wespen sind aggressiv …“ nur aggressiv bei der Verteidigung des Nestes o keine heftige Bewegungen und Erschütterungen des Nistplatzes o kein Verstellen der Flugbahn, nicht zu dicht ans Nest o entferne Nester nicht selbst Stiche fern vom Nest nur bei Provokation oder bei ungewolltem Kontakt o uhiges Verhalten o enge Kleider o drinke aus Cans mit Stohhalm o kein Picknick im Freien, … Stiche gehäuft, wenn viele Insekten präsent o Meide Picknickregionen, Bienenhäuschen, etc. o Nahrungamittel einpacken, Entfernung von Fallobst „Repellents und Insektenfallen …“ keine wirksamen Repellents gegen Hymenopteren (gewisse ziehen an!) DEET: Diethyltoluamide wirkt ungenügend Fallen mit Ködern sind von fraglicher Wirksamkeit. toxische Köder (Nachhaltigkeit, gezielte Wirku ng, Kosten, …?) Insektizide für grosse Flächen in Entwicklung Verhaltensregeln zu Vermeidung von Insektenstichen keine raschen Bewegungen, langsames Entfernen aus der Gefahrenzone nie barfuss gehen: Bienen lieben Klee, und viele Wespen leben im Boden Schweiss und CO2 ziehen viele stechende Insekten an, Vorsicht beim Turnen und Spiel im Freien. Nahrungsmittel locken vor allem Wespen an. Kein Essen im Freien, Abfälle immer gut verschliessen Motorradfahren: geschlossener Helm und Handschuhe keine Parfums, Haarsprays, stark parfümierte Sonnencremen, Haarshampoos mit Geruchsessenzen keine weite, flatternde Kleider bei der Gartenarbeit: geschlossen Kleidung und Handschuhe Mosquitos und andere stechende Insekten Mosquitos o übertragen: Malaria, West Nil Encephalitis o keine HIV-Übertragung (kein T4-Antigen auf Zell-Oberfläche, tiefe Viruskonzentrtion im Menschen) o nur die weibliche Aedes mosquito sticht, Vorsicht bei summendem Geräusch! Attraktion durch: Feuchtigkeit, Wärme, CO2, Gerüche, Östrogene Klinik individuell: Quaddeln, Vesikel, Bullae, ekzematische oder granulomatöse Reaktionen Therapie: o topisch: kalte Umschläge, Menthol, Campher, Steroide o systemisch: Antihist., Steroide o Immuntherapie nicht möglich Im Falle von einer Insektengiftallergie haben Sie keine Panik! Schwerwiegende Komplikationen sind selten. Denken Sie dran, es gibt noch andere Risiken im Leben. Top-10 Gesundheitsrisiken  (World Health Report 2002 der WHO) Bluthochdruck Tabak Alkohol hohe Cholesterinwerte Eisenmangel Fettsucht ungeschützter Geschlechtsverkehr schlechte Hygiene-Standards Untergewicht in der Kindheit und von Müttern der Rauch von Biomasse in geschlossenen Räumen
Bienen-, Wespengiftallergie